SK Weilheim
Home » Eröffnungen » Vor- und Nachteile von 1. d4 d5 2. Sf3 c6!?
 

Naja, die Universalität (im Sinne von Kaufman) sollte man natürlich nur im Rahmen der besseren/üblicheren/kritischen (Haupt-)Erwiderungen sehen. Ansonsten würde ja z.B. auch die Universalität von Königsindisch durch Trompowski, Richter-Veressow oder das furchterregende Gibbins-Weidenhagen-Gambit 1.d4 Sf6 2.g4 erschüttert.

Ehrlich gesagt habe ich schon öfters über Vor- und Nachteile von 1.d4 d5 2.Sf3 c6!? nachgedacht (und meiner Erinnerung nach hier im Forum auch schon mal was dazu gepostet, was ich jetzt aber auf die Schnelle nicht wiederfinden kann).

Genauer gesagt eigentlich über 1.d4 c6 (was Caro-Kann anbietet, nach 2.Sf3 sollte wohl 2...d5 folgen, nach 2.c4 gibt´s natürlich Slawisch und nicht die Malinoise-Verteidigung 2...b5?!). Das würde z.B. 2.Lf4 oder 2.Lg5 unattraktiv machen wegen 2...Db6 oder auch 2...Da5+. Und gegen 2.a3 a la Prie wäre 2...g6 flexibel?!

Also 1.d4 d5 2.Sf3 c6 . Schlecht kann das kaum sein, denn einige hochklassige Slawisch/Halbslawisch-Spezialisten spielen des öfteren so, z.B. Schirow! Fast immer geht das nach 3.c4 wieder in Hauptvarianten über, fraglich ist, was 2...c6 für Vorteile hat. Ich kann nur vermuten, daß Schwarz so spielt, wenn er ein Triangle-System (mit c6&e6, z.B. Noteboom) anstrebt und deswegen weiße Lg5-Systeme oder Katalanisch vermeiden will. Falls Weiß nun gar nicht frühes c4 spielt sondern irgendein Damenbauernspiel wählt, so verzögert bereits gespieltes ...c6 natürlich ein typisches Gegenspiel mit ...c5, das ist klar. Klar ist mir aber nicht, ob das so schlimm ist. In d4-d5-Systemen würde Schwarz natürlich idealerweise alles haben: seinen Damenläufer nach f5/g4 vor die Bauernkette entwickeln und auch noch mit ...c5 den strategischen Zentrumshebel ansetzen. Wenn Weiß aber wenigstens soviel Ambitionen hat, sein etwas ambitionsloses Damenbauernspiel noch relativ ambitioniert zu spielen, so kann Schwarz in der Regel nicht beide Ziele (...Lf5 & ...c5) schnell erreichen (oft weil Weiß den Bc5 zu schlagen und zu halten droht!). Üblich (und wahrscheinlich auch einfacher zu spielen) ist es daher, sich erstmal auf ...c5 (+ ...Db6) zu konzentrieren und ggf. nur anschließend ...Lf5/g4 durchzusetzen. Daraus folgt aber noch lange nicht, daß die umgekehrte Reihenfolge für Schwarz schlecht oder auch nur relativ schlechter sein müßte. Also etwa 1.d4 d5 2.Sf3 c6 und nun eventuell

(a) 3.c3 Lf5!?

(b) 3.e3 Lf5!?

(c) 3.Lg5 Lf5!?

(d) 3.Lf4 Lf5!?

(a), (b) und (c) sind nach meinen Ansicht kein Problem für Schwarz, bei 3.Lg5 hat Schwarz auch die Optionen 3...Db6 und 3...h6 4.Lh4 Lf5/Db6 . Bei (d) bin ich mir zwar auch sicher, daß Schwarz (knappen) Ausgleich hat, finde die Stellungen jedoch etwas unangenehm zu spielen. Habe aber vor, dieses kleine Problem noch zu lösen, um neben 2...Sf6 auch 2...c6 spielen zu können. Da viele GMs wie Schirow (d) zulassen, bin ich mir auch sicher, daß (d) für Schwarz befriedigend lösbar ist!

Ein kleiner Nebeneffekt der 1...c6-Reihenfolge ist übrigens folgender: im Pseudo-Trompowski- oder Hodgson-Angriff 1.d4 d5 2.Lg5 h6 3.Lh4 c6 hat 4.e3 die alte Hauptvariante 4.Sf3 etwas verdrängt; bei 1.d4 c6 2.Sf3 (2.Lg5 Db6!) d5 3.Lg5 h6 4.Lh4 hat Schwarz dies umgangen.


© M. Walter
Letzte Änderung: 13.03.2012