SK Weilheim
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Ungarische Partie mit 3 Damen.

2017 erneuter Besuch in Tát!

 

Letztes Jahr hieß es „Wir kommen 2017 wieder!“  Vorausgesetzt natürlich, Paul würde erneut zum Besuch auffordern! Und tatsächlich, der Unvorsichtige.........

 

Viele Schachspieler haben ja eine Vorliebe für eine bestimmte Eröffnung. 

Ganz so, wie ein Grüppchen Weilheimer mit Vorliebe die „Ungarische Partie“ spielt und da insbesondere die „Táter Variante“! Und man glaubt es kaum: mit dieser Variante hat noch keiner verloren!

 

So ist es kein Wunder, daß sich unsere Gruppe aus alten Bekannten zusammensetzte, die alle schon mehrmals oder gar immer im Dorf Tát bei Esztergom mit dabei waren: Josef, Florian, Dominik, Jonathan, Julius und Rainer.

 

„Frauen nehma koane mit, mir woin ja a Gaudi ham!“, so Gerhard Polt in seinem Stück „Oktoberfest“.  

Man durfte also gespannt sein, wie das mit der Gaudi werden würde: Jonathan, Julius und Florian reisten mit ihren Freundinnen an! 

Manchmal ist es ja so, daß Männer an der Seite  ihrer Freundin oder Frau plötzlich zu lammfrommen Kuscheltieren,  Antialkoholikern, Nichtrauchern, Früh-zu-Bett-Gehern oder gar Veganern mutieren! 

Auch hat sich schon manch begeisterte Schachspieler unter dem drängenden Einfluß seiner Gefährtin neuen Hobbies zuwenden müssen: Häkeln, Abwaschen oder gar Spazieren -Gehen........

 

In Tát jedoch mutierte niemand und Gaudi gab es wie eh und je. Lieber Gerhard Polt, es geht also auch mit Frauen. 

Ruth, Julia und Anna dürfen also gern wieder kommen......

 

Wir kamen wieder in der preiswerten Pension unter, in der wir uns schon letztes Jahr so wohl gefühlt hatten; und fürs zweite Wohlfühlprogramm und herzliche Gastfreundschaft garan-tierten erneut die Szabos, Paul nebst Familie.

 

Zur Begrüßung kochte Paul im Garten über einem Feuer sein  traditionelles Kesselgulasch.  

Im Vor-Garten konnte man stets bis spät in die Nacht Schach spielen und ein gut gefüllter Kühlschrank stillte den Durst auch derer, die nach menschlichem Ermessen eigentlich gar keinen Durst mehr haben konnten. 

Etliche Male wurde zu späterer Stund auch noch von Ilona (Pauls Frau) und Paul aufgetischt: die scharfe ungarische Kolbasz, Speck, Schinken, grüne Paprika, Zwiebeln, Schmalz,  Gebratenes vom Mittag.........  Ja, wer da nicht (wieder) durstig wird oder bleibt ........

Es ging uns so gut, daß wir darüber oft vergaßen, die Gastgeber bei den anfallenden Arbeiten besser zu unterstützen! Es soll nicht wieder vorkommen!  

 

Man freute sich auf die zwei traditionellen Turniere, die in bewährter Weise von Geza, Marton Szabos erstem Trainer und Ilona vorbereitet und durchgeführt wurden. 

Zum einen fand am Pfingst-Samstag, das ganz entspannte, lokale Blitzturnier auf der Terrasse eines Cafes statt.  

Da waren sie wieder: ein Mädelchen mit Stofftier, etliche Schachschüler von Geza, eine Frau Doktor, Ferenc Meixner, der im letzten Jahr unsere Vierer-Mannschaft verstärkte und viele begeisterte Schachspieler jeden Alters und jeder Spielstärke.

Der taubstumme, aber um so temperamentvolle Alte - eine Herausforderung für jeden Turnierleiter - durfte natürlich nicht fehlen.

Und jetzt kommt´s: Ruth und Julia spielten bei beiden Turnieren mit! Zu gewinnen gab es für die von Flori und Julius vorbereiteten Anfängerinnen zwar noch nix, aber selbst der Börni hat mal klein angefangen.......

Julia beherrscht gar schon das Matt mit Springer und Läufer, das manch alter  Schachspieler schon gar nicht hinbekommt!

 

Marton gewann erwartungsgemäß das Blitzturnier mit 8 Punkten aus 9 Partien. Kleiner Zwischenfall, als einer seiner Gegner nach einer Niederlage die Figuren vom Tisch fegte und sich nach einer Rüge von Paul wutentbrannt davon machte....ungarisches Temperament halt.

Paul wurde 5., Jonathan 9., Josef 10.,  Dominik 13., Julius 16., Florian 17. Ganz hinten am Horizont,  war der punktspendable Rainer gerade noch zu sehen. Vielleicht wollte er ja Julia und Ruth etwas Gesellschaft leisten.......

 

Am Nachmittag gab dann Marton im Kulturhaus eine Simultanveranstaltung. Und Josef durfte feststellen, daß man sich auch mit Ruhm bekleckern kann! Er gewann als einziger seine Partie! Gratulation! Immer wenn es gegen vermeintlich übermächtige Favoriten geht, packt Josef sein bestes Schach aus. Das mußte selbst der Börni beim Weihnachtsblitz erfahren! 

 

Am Sonntag fand in der örtlichen Schule das Schnellschach-Turnier für Vierer-Mannschaften statt, zu dem auch wieder Teams aus der Slowakei anreisten. 

Dieses Jahr konnte das Team der Táter mit Marton, Geza, Paul und Matias (Pauls älterem Sohn) die Scharte vom letzten Jahr auswetzen. Sie belegten von 14 Teams den dritten Platz – 3 Plätze vor den Weilheimern! Dafür gab´s dann auch Medaillen und Bussis von Ilona!

Weilheim I (Jonathan, Josef, Domi und Flori) belegte den 6. Rang. Weilheim II (Julius, Rainer, Julia und Ruth) lichtelte fröhlich am Schluß der Tabelle.

 

Bester Spieler war erneut Marton! Man kann nur hoffen, daß er in der neuen Saison  unsere Erste in der zweiten Bundesliga  möglichst oft verstärken kann! 

Domi bekam einen Preis für den punkt-besten deutschen Spieler. 

Später, im Restaurant, erhielt Rainer als „ältester deutscher Spieler“ eine Flasche Wein! 

Man muß nur abwarten können.......

 

Neben Schach blieb genügend Zeit, etwas zu unternehmen, sei es eine Fahrt nach Budapest oder ins nahe Esztergom. 

Auch kam es wieder zu einem ausgedehnten Besuch im Festzelt.........

 

Wer mutig ist, kann auch mit dem Rad nach Esztergom fahren. Man muß allerdings in Kauf nehmen, daß der Donau-Radweg zwischen Tát und Esztergom noch nicht ganz geschlossen ist. So müssen die Radler einige Kilometer auf eine Bundesstraße ausweichen.

Diesen Umstand nutzen dann einige von zu viel Paprika, Schweinespeck und Aprikosenlikör benebelte Ungarn, um mit dem Auto im Abstand von nur wenigen Zentimetern am fluchend  gestikulierenden Radfahrer vorbei zu brettern. 

Dieses Jahr allerdings, hielt einer der Attentäter am Wegesrand an, wahrscheinlich um etwas Aprikosenlikör nach zu tanken. So konnte „der Berichterstatter“ (wie Tommi Lochte immer schreibt) durch das offene Seitenfenster ein paar Unfreundlichkeiten ins Auto bellen und mit zwei Fingern den Abstand anzeigen, der einen noch soeben von Krankenhaus und Friedhof trennte. Des Deutschen anscheinend nicht mächtig, stammelte der Erschreckte aber Einsichtige: „Yes“.  

Da sage noch einer, daß Sprachkenntnisse für eine gelungene Völkerverständigung unabdingbar wären! 

 

Mit Zug oder Auto ging es am Dienstag wieder heim, wo man schon vom Studium, der Arbeit oder der Familie erwartet wurde. Die beneidenswerten Ruth und Flori, dürfen noch die Ferien genießen....... 

 

Mal sehen, ob es nächstes Jahr mit der Reise ins schöne und so gastfreundliche Ungarn wieder etwas wird und wer dann mit von der Partie sein möchte. Paul schmiedet jedenfalls schon wieder neue Pläne. Die Fahrt würde traditionsgemäß wieder zu Pfingsten stattfinden. 

Schau´n wir mal, ob dann Martina, Klaus und Ludwig(?) tatsächlich mitfahren - oder auch der gute Tommi, der immer so gerne teilgenommen hätte, vom Termin aber stets überrascht wurde.......

 

Wie sagte Paul doch: Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt Leben Reisen ist........

 

Tati Sakk (sprich „Schock“) Club

Tiszteletbeli Tag

Rainer Heidebreck

P.S. Wie schön, wenn man gegen Ende der ganz langen Schachpartie zum Ehrenmitglied eines Schachklubs ernannt wird, den es leider bald nicht mehr geben wird..........

Paul würde wohl sagen: Der Mensch ist wie ein Schachklub, wie umgekehrt ein Schachklub wie ein Mensch ist.......... 


© M. Walter
Letzte Änderung: 20.06.2017